Andreas Salcher Günther Tengel
Für sein Buch „Der verletzte Mensch“ ist Autor und Keynote-Speaker Andreas Salcher unter anderem der Frage nachgegangen, was Gewinner von Verlierern unterscheidet. Gemeinsam mit Günther Tengel, Managing Partner von Amrop Jenewein, hat sich der Autor diesem Thema nun im Kontext der Corona-Krise angenähert.

Wer gewinnt, wer verliert?

Für sein Buch „Der verletzte Mensch“ ist Autor und Keynote-Speaker Andreas Salcher unter anderem der Frage nachgegangen, was Gewinner von Verlierern unterscheidet. Gemeinsam mit Günther Tengel, Managing Partner von Amrop Jenewein, hat sich der Autor diesem Thema nun im Kontext der Corona-Krise angenähert.

Wie Krisen die Gesellschaft in Gewinner und Verlierer spalten

Während eine umfassende gesundheitliche Krise, wie sie das neuartige Coronavirus in vielen anderen Ländern ausgelöst hat, in Österreich größtenteils erfolgreich abgewendet werden konnte, werden die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen des Virus noch länger zu spüren sein. Stets mit der Gefahr verbunden, dass die Schere zwischen Gewinnern und Verlierern immer weiter aufgeht. Der österreichische Autor und Keynote-Speaker Andreas Salcher ist für sein Buch „Der verletzte Mensch“ unter anderem der Frage nachgegangen, welche Aspekte es sind, die Gewinner von Verlierern unterscheidet. In Hinblick auf die Corona-Krise macht Salcher darauf aufmerksam, dass Sieger Krisen immer anders interpretieren als Verlierer und weist in diesem Zusammenhang auf eine ebenso einfache wie klare Formel hin: Selbstverantwortung statt Schuldzuweisung. „Sieger sind Menschen, die von Krisen genauso getroffen sind. Aber sie übernehmen Verantwortung dafür, während Verlierer die Schuld bei anderen suchen und sich als Opfer fühlen. Sieger leiden unter Krisen und Niederlagen also genauso wie Verlierer, interpretieren diese aber anders, nämlich als Teil ihrer Lebensgeschichte“, fasst Salcher zusammen.

Was die Frage nach dem Sinn des Lebens damit zu tun hat

Obwohl gerade zu Beginn der Krise viele Menschen mehr Zeit als sonst dafür verwendet haben, sich die Frage nach dem Sinn des Lebens zu stellen, bleibt fraglich, ob es dadurch tatsächlich zu einem Umdenken und zu einer Veränderung dominanter Sichtweisen gekommen ist. Geht es um die Sinnfrage, orientiert sich Salcher in der Regel an Viktor Frankl, der seine Lehre vom Sinn des Lebens an den dunkelsten Orten der Geschichte, in den Konzentrationslagern des NS Regimes, entwickelt hat. „Wichtig ist, auch in schlimmen Situationen einen Rest an individuellen Handlungsmöglichkeiten für sich zu erkennen und sich diesen nicht nehmen zu lassen. Wenn es mir gelingt diesen Spielraum, sei er auch noch so klein, zu nutzen, dann bewahre ich mir immer eine letzte Freiheit in meinem Leben. Davon haben wir nämlich mehr als wir uns oft eingestehen“, erklärt der Autor. In diesem Zusammenhang möchte Andreas Salcher aber auch auf eine Falle hinweisen, in die auch er schon hin und wieder getappt ist: „Wenn man den Sinn des Lebens in sich selbst sucht, dann wird man ihn nie finden. Den Sinn des Lebens findet man nur im Tun.« Orientiert man sich hier an Viktor Frankl, dann gibt es davon drei verschiedene Arten, die entscheidend sind: Das Tun, die Liebe und das Leiden. „Denn nur Menschen, denen es auch gelingt dem Leiden einen Sinn zu geben, werden sich nicht als Opfer fühlen“, so Salcher.

Schüler, Lehrer, Eltern – wer waren die Gewinner und Verlierer?

In den vergangenen Wochen hat sich deutlich gezeigt, dass sich die Kluft zwischen unterschiedlichen Bildungsschichten noch weiter vergrößert hat. „Sieht man sich die Gruppe der Schüler und Schülerinnen an, dann wird schnell klar, dass jene, die Eltern haben, die sie beim Lernen unterstützen konnten, während dieser Zeit kaum Nachteile hatten. Auf der anderen Seite sind Schüler und Schülerinnen aus Haushalten, in denen der Wert der Bildung nicht erkannt wird oder die Eltern haben, die ihren Kindern gar nicht helfen können, noch weiter zurückgefallen“, sagt Salcher. Auch die Bedingungen in den jeweiligen Haushalten haben diesbezüglich eine entscheidende Rolle gespielt. Alleinerziehende Elternteile, die auch noch von zu Hause arbeiten mussten, waren natürlich einer enormen Belastung ausgesetzt. Auch bei den Lehrern zeigten sich unterschiedliche Gruppierungen: „Da gab es einige, die sich die neuen digitalen Möglichkeiten mit großem Engagement angeeignet haben, aber eben auch solche, die am Anfang zwar eine riesengroße Menge an Aufgaben verschickt haben, dann aber nichts mehr von sich hören ließen.“ Was die gesamte Gesellschaft betrifft, glaubt Andreas Salcher nicht daran, dass die Corona-Krise ganze Werthaltungen verändert hat. „Wenn wir in zehn Jahren auf diese Zeit zurückblicken, dann werden wir das in einer ähnlichen Weise tun wie wir es auch schon bei 9/11 oder der Finanzkrise getan haben.“ Trotzdem möchte er darauf hinweisen, dass unsere Gesellschaft fragiler geworden ist und es immer wieder solche „schwarzen Schwäne“ geben wird, die große und kleine Pläne durchkreuzen. „Deshalb ist Resilienz eine der wichtigsten Fähigkeiten für die Zukunft, wobei es dabei nicht nur um die Widerstandsfähigkeit, sondern vor allem um die Anpassungsfähigkeit gehen wird.“

Fähigkeiten, die bei Führungskräften in Zukunft besonders gefragt sein werden

Als Gesellschaft durchläuft man mehrere Phasen, in denen man immer wieder neu erkennt, was Menschen eigentlich brauchen, um gemeinsam etwas herzustellen oder eine Dienstleistung anzubieten. „Über viele, viele Jahre ging es dabei in erster Linie um das Thema Know-How und um die Frage, wie man dieses Know-How erkennt. Das hat sich etwas gewandelt und wir haben begonnen, vermehrt darüber nachzudenken, wie man Potenzial erkennen kann. Das ist natürlich deutlich schwieriger“, so Günther Tengel. Denn um zu wissen, was man sucht, müsste man auch wissen, was in 15 oder 20 Jahren eigentlich gefragt ist. Er fügt hinzu: „Eine simple Antwort wäre, dass man nach jenen Menschen suchen sollte, die die passende Einstellung dafür haben, eine nicht vorhersehbare Zukunft zu gestalten. Denn Zukunft lässt sich zwar gestalten, aber nicht verwalten.“

Neuausrichtung alle 15 Jahre?

Der israelische Historiker Yuval Harari schreibt in seinem Buch „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert, dass sich die Menschen in Zukunft alle 15 Jahre beruflich neu erfinden werden müssen. Günther Tengel sieht das kritisch, weil er die Zeitspanne noch für zu großzügig bemessen hält. „Innovationen werden noch viel schneller voranschreiten als wir uns das jetzt vorstellen können. Und auch die berühmten schwarzen Schwäne werden schneller und unvorhergesehener kommen können als man glaubt.“ Eine Schlüsselfunktion wird daher dem Lernen bzw. der Bereitschaft zum Lernen zukommen. „Offenheit, Neugierde, Kreativität und Vertrauen werden in Zukunft eine noch viel größere Rolle spielen“, sagt Tengel und fügt abschließend noch hinzu: „Entscheidend ist das Vertrauen in die eigenen Stärken.“