Auch remote möglich

Zehn Tipps für Bewerbungsgespräche per Video

China, das als erstes Land von Covid-19 getroffen wurde, findet nun nach einer Zeit intensiver Abriegelung neue Möglichkeiten, wichtige Aktivitäten wieder aufzunehmen.
Dies betrifft auch den Bereich “Executive Search”, also die Suche nach Führungskräften, sowie Bewerbungsgespräche und Einstellungen.

Eine der unzähligen Fragen, mit denen wir hier bei Amrop China konfrontiert sind, ist folgende: Wie können wir in diesen schwierigen Zeiten Bewerbungsgespräche erfolgreich und effizient durchführen? Wir möchten das Profil und die Motivation einer Führungskraft möglichst genau verstehen, um deren Eignung für eine anspruchsvolle Position zu prüfen. Ist das in einem Videogespräch überhaupt möglich?

Auch wenn es keinen Ersatz für persönliche Bewerbungsgespräche gibt, lautet die Antwort weitgehend: Ja, wir können trotzdem effektiv nach Bewerbern suchen und dabei Videogespräche als Hauptinstrument nutzen – solange die richtigen Bedingungen geschaffen und bestimmte Regeln eingehalten werden.

Trotz der vielen Herausforderungen hat unser Team in China für unsere Kunden vollumfängliche Suchprozesse nach Bewerbungskandidaten bis hin zum Einstellungsangebot durchgeführt. Natürlich kann es sein, dass vor dem Eintritt eines Bewerbers noch in einem persönlichen Treffen geprüft wird, ob auch wirklich „die Chemie stimmt“. Manchmal ist es auch schwierig, ein Eintrittsdatum zu finden, das für alle Parteien passt. Aber alles in allem lässt es sich trotzdem sehr gut arbeiten.

Ich übe meine Tätigkeit derzeit von meinem Home-Office aus. Wenn ich darüber nachdenke, was wir in letzter Zeit so alles gelernt haben, so fallen mir zehn Tipps ein, die ich hinsichtlich solcher Gespräche unbedingt weitergeben möchte.

Wie Sie sich vorstellen können, wurden unsere Prozesse in den letzten Monaten immer wieder verfeinert und neu getestet.

Ob Sie ein Unternehmen auf der Suche nach Personal oder ein Bewerber auf der Suche nach Ihrem Traumjob sind, wir wünschen Ihnen in diesen schwierigen Zeiten alles Gute.

Flexibel, vernetzt und zukunftsorientiert zu bleiben, ist heute wichtiger denn je. Und wir sind zuversichtlich, dass viele Erkenntnisse auch nach der Krise Anwendung finden und unsere Arbeit in Zukunft sogar noch verbessern werden.

Lesen Sie hier Thomsons Top Tips für ein erfolgreiches Video-Bewerbungsgespräch. Sie werden feststellen, dass Bewerbungsgespräche tatsächlich auch aus der Ferne möglich sind.

1

Technik

Wir haben wohl schon alle einmal an misslungenen Videokonferenzen mit schlechter Tonqualität teilgenommen. Diese sind für alle Beteiligten in der Regel sehr frustrierend.

Möglicherweise wird von Ihrem Interviewer eine Videokonferenz-Software vorgeschlagen, die Sie noch nie zuvor benutzt haben, oder das WLAN auf beiden Seiten ist nicht wirklich gut genug. Sie sollten daher möglichst im Voraus die Software, die Sie für das Gespräch benötigen, herunterladen und testen. 

Vielleicht können Sie sogar den persönlichen Assistenten Ihres Interviewers (falls es einen solchen gibt) kontaktieren und einen „Probelauf“ vor dem Bewerbungsgespräch durchführen. Legen Sie sich auch einen Plan B zurecht.

Denken Sie auch daran, möglichst viel an verfügbarer Bandbreite „freizugeben“, indem Sie andere Online-Anwendungen schließen. Vermeiden Sie es auch, während des Interviews Inhalte zu streamen. Dies gilt sowohl für Sie als auch für andere Personen, die während des Interviews dieselbe Internetleitung nutzen.

2

Umgebungs­bedingungen

Kontrollieren Sie die Umgebungsbedingungen für das Interview, soweit es Ihnen möglich ist.

Derzeit arbeiten viele von uns von zu Hause aus, während andere vielleicht noch ein ruhiges Plätzchen in ihrem Café um die Ecke gefunden haben. Wenn Sie sich in China aufhalten, arbeiten Sie vielleicht schon wieder in Ihrem gewohnten Büro.

Wo auch immer Sie sich befinden: achten Sie darauf, welche Eindrücke der Hintergrund oder die Umgebung bei Ihrem Gesprächspartner vermitteln können. Versuchen Sie, potenzielle Störungen oder Ablenkungen so weit wie möglich zu vermeiden.

Um noch einmal zum ersten Punkt zurückzukommen: Stellen Sie sicher, dass Ihre Kopfhörer, Ihr Mikrofon und Ihre Videokamera gut funktionieren und verlassen Sie sich idealerweise nicht auf das WLAN anderer, es sei denn, Sie sind absolut sicher, dass es funktioniert.

2

Umgebungs­bedingungen

3

Planung

Wie bei allen Bewerbungsgesprächen, egal ob persönlich oder per Video, sollten Sie immer einen guten Plan haben.

Was ist Ihr Ziel? Wie beginnen, führen und beenden Sie das Gespräch? Was sind die wichtigsten Botschaften, die Sie vermitteln möchten? Für ein Video-Bewerbungsgespräch müssen Sie vielleicht noch etwas genauer planen.

In der Regel gibt es bei Video-Interviews viel weniger zeitlichen Spielraum – sie sind normalerweise sorgfältiger geplant und wirklich auf 60 oder 90 Minuten begrenzt.

Vielleicht benötigen Sie mehr Zeit, um Ihre Botschaften zu wiederholen oder zu betonen, unter Umständen auch aufgrund der Audioqualität. Unser Vorschlag: Effizient vorbereiten, flexibel bleiben, aber gleichzeitig das Gespräch mit viel Disziplin und Vorausschau durchplanen, und die verfügbare Zeit gut einteilen.

4

Beziehung

Dies ist wesentlich für alle Bewerbungsgespräche, aber natürlich schwieriger per Video.

Aufgrund des physischen Abstands und der möglicherweise größeren Reserviertheit im Vergleich zu einem persönlichen Treffen müssen zusätzliche Anstrengungen unternommen werden, um eine Beziehung zum Gesprächspartner aufzubauen und eine Atmosphäre zu schaffen, in der Ihr Gespräch natürlicher „fließen“ kann.

Denken Sie daran, dass Sie möglicherweise mehr Zeit als üblich brauchen, bis bei Ihnen und Ihrem Gesprächspartner die „Chemie stimmt“. Darüber hinaus empfehlen wir Ihnen, etwas zu recherchieren und darüber nachzudenken, welche Gemeinsamkeiten es zwischen Ihnen und Ihrem Gesprächspartner gibt oder zumindest, welche Themen Bewegung in das Gespräch bringen könnten.

4

Beziehung

5

Visuelle Signale

Natürlich ist es bei Videogesprächen viel schwieriger, die Körpersprache zu lesen und die visuellen Signale des Gegenübers zu interpretieren.

Für beide Seiten ist es zudem schwieriger, engagiert beim Gespräch zu bleiben. Versuchen Sie daher, so gut wie möglich „die Stimmung zu deuten“ und entsprechend zu reagieren.

In China hatten wir kürzlich eine Situation, in der zwei Personen auf Kundenseite das Gespräch mit einem Bewerber geführt haben. Da diese sich im selben Raum befanden, trugen sie Virenschutzmasken!

Sie können sich vorstellen, wie herausfordernd und zu einem gewissen Grad auch unbefriedigend dies für unseren Bewerber war.

6

Aktive Beteiligung

Wir haben alle schon Anrufe erlebt, die inhaltlich einfach nicht so interessant waren und bei denen die Aufmerksamkeit nachließ.

Gleich neben Ihrem Laptop liegt vielleicht Ihr Smartphone, und Sie kämpfen mit der Versuchung, einen kurzen Blick auf die dort ständig eintrudelnden neuen Nachrichten zu werfen. Von WeChat über WhatsApp, Messenger und Viber – besonders in Zeiten wie diesen werden wir mit Informationen förmlich überflutet.

Natürlich sprechen wir hier über Bewerbungsgespräche per Video und ich hoffe doch, dass beide Seiten sehr motiviert sind und eine gewisse Disziplin an den Tag legen.

Allerdings ist es eine Tatsache, dass es bei einer Videokonferenz deutlich schwieriger ist, eine Verbindung mit dem Gegenüber herzustellen und konzentriert zu bleiben. Unser Rat? Üben Sie sich in „aktivem Zuhören“, sitzen Sie aufrecht, und versuchen Sie, den Blickkontakt zu wahren. Bleiben Sie im Gespräch stets aktiv und nutzen Sie Ihre Vorbereitungen, um relevante Gedanken und Ideen einzubringen. Achten Sie darauf, dass Ihr Energiepegel hoch bleibt, und lächeln Sie. Vermitteln Sie Ihrem Gesprächspartner den Eindruck, dass Ihnen das Meeting Spaß macht, auch wenn das nicht der Fall ist!

6

Aktive Beteiligung

7

Gesprächs­tempo

Wir alle haben in Online-Meetings schon lästige Verzögerungen oder Rückkopplungsgeräusche erlebt.

 Wenn ein solches Problem Ihr Bewerbungsgespräch stark beeinträchtigt, kann es durchaus besser sein, höflich zu unterbrechen und sich ab- und wieder anzumelden. Vielleicht müssen Sie das Gespräch sogar auf einen anderen Tag verschieben.

Meistens lassen sich solche Probleme jedoch bewältigen, indem man etwas langsamer spricht, sich alle kurz fassen, Pausen eingelegt werden und jeder bestmöglich auf die vorherrschenden Anrufbedingungen reagiert. Wichtig ist dabei, dass alle Gesprächsparteien klar kommunizieren und sich deutlich verständigen. In China planen wir oft Videogespräche, bei denen alle Beteiligten nicht in ihrer Muttersprache sprechen. Solche Situationen erfordern zusätzliche Überlegungen und Aufmerksamkeit.

8

Rückfragen

Stellen Sie bei jedem Interview sicher, dass Sie verstanden wurden und Ihren „persönlichen Mehrwert“ vermitteln konnten.

Das bedeutet, dass Sie die Anforderungen für die ausgeschriebene Position gut kennen und in der Lage sein sollten, Ihre Stärken entsprechend den Bedürfnissen der Organisation zu präsentieren.

Bei einem Videogespräch sollten Sie daher regelmäßig kurze Rückfragen an Ihren Gesprächspartner richten: „Habe ich damit Ihre Frage beantwortet?“ „Haben wir alles behandelt, worüber Sie heute sprechen wollten?“ „Haben Sie noch irgendwelche Fragen, vielleicht über meine Fähigkeiten oder Erfahrungen?“ Dadurch zeigen Sie Ihre Professionalität und können Ihren „Mehrwert“ für die Organisation gut vermitteln.

8

Rückfragen

9

Prägnanz

Im Gegensatz zu einem persönlichen Gespräch hat man in einer Videokonferenz oft weniger das Verlangen oder auch die Möglichkeit, Themen ausführlich oder langatmig zu besprechen.

Bis sich alle angemeldet haben, alles gut eingestellt ist, alle technischen Probleme gelöst wurden und die Einleitung beendet ist, vergeht Zeit, die Ihnen später bei Ihren Ausführungen fehlen wird. Lange Erklärungen können dazu führen, dass sich Ihr Interviewer gedanklich ausklinkt.

Überlegen Sie daher gut, welche zentralen Botschaften und welche eigenen Stärken Sie vermitteln möchten, damit Sie im Gespräch immer fokussiert bleiben.

Müssen Sie wirklich alle Punkte auf Ihrer Liste besprechen? Oder wäre es effizienter, sich auf die drei wichtigsten und relevantesten Punkte zu konzentrieren? Denken Sie auch daran, dass ein Bewerbungsgespräch in vielerlei Hinsicht wie ein Verkaufsgespräch ist, bei dem Sie Ihre Erfahrung, Ihre Kompetenzen und Ihre „Präsenz“ vermitteln müssen. Ihre potentiellen Arbeitgeber wollen ja den von Ihnen angebotenen Mehrwert für das Unternehmen „kaufen“. Der Schwerpunkt Ihrer Präsentation sollte also – insbesondere unter diesen Bedingungen – darauf liegen, welche Erfahrungen und Fähigkeiten Sie sich aufgrund Ihrer bisherigen Arbeit angeeignet haben, und nicht so sehr darauf, welche Aktivitäten Sie auf diesem Weg unternommen haben. Je kürzer daher die verfügbare Zeit, umso wichtiger der Fokus auf Ihren Mehrwert.

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Abschluss

Denken Sie daran, dass es bei einer Videokonferenz keinen sonst üblichen Gesprächsabschluss gibt.

Damit ist jener Teil gemeint, bei dem alle aufstehen, sich die Hand geben und vielleicht einige abschließende Bemerkungen, Gedanken oder Höflichkeiten austauschen.

Niemand wird Sie zum Aufzug oder zur Rezeption begleiten. Bereiten Sie sich also darauf vor, das Gespräch mit einem positiven Kommentar, einem Dank und einem Lächeln zu beenden. Planen Sie Zeit dafür ein und vergessen Sie nicht, auch die nächsten Schritte zu klären. Hinterlassen Sie proaktiv einen möglichst starken Eindruck.

10

Abschluss

Wir wünschen Ihnen für die kommenden Wochen und Monate alles Gute. Und wie immer ist Amrop in vollem Umfang für Sie da und gerne bereit, Sie zu unterstützen. Bleiben wir in Verbindung!